Erfolge

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Der Meistercoach

Erfolge > Meisterschaft 1998/1999 > Der Meistercoach(von Michael Jung)
Saison 97/98
Als ich vor knapp 2 Jahren als Spielertrainer beim VfL antrat, hatte ich natürlich einige Erwartungen. Über die Fußballer aus Etschberg hörte man rund um den Remigiusberg unter anderem: Viele Spieler, hoher Trainingsbesuch, starke 2. Mannschaft...

Ich ging mit vorsichtigem Optimismus in die Saison und erhoffte mir, wenn alles glatt laufen würde, daß wir in der B­Klasse wieder vorne mitspielen könnten .Aus meinen Beobachtungen wußte ich, daß der VfL in der Offensive sehr gut besetzt ist und daß ich das Team in der Defensive verstärken konnte. Zu einer Mannschaft mit Sturmproblemen hätte ich als Spieler(-trainer) auch kaum gepaßt.
Im Laufe der Vorbereitungsphase wurden meine Erwartungen schwer gedämpft. Wir hatten große Probleme, die Trainingsquote im zweistelligen Bereich zu halten und auch bei den Testspielen bekamen wir gerade so eine Mannschaft zusammen. Einige Spieler standen verletzungs- und berufsbedingt nicht mehr zur Verfügung, andere lernte ich aus sonstigen Gründen vorerst noch nicht kennen. Zu allem Übel verletzte sich dann Michael Raab noch schwer. Mein Frust erreichte den Höhepunkt, als wir in der 1. Pokalrunde (4:5 gegen Glanbrücken n.V.) 45 Minuten lang mit 10 Mann spielen mußten, da uns kein 14. Spieler zur Verfügung stand. In diesem Spiel verletzte ich mich noch, so daß ich die ersten Saisonspiele ausfiel. Kein guter Beginn also, im Nachhinein aber eine wichtige erste (Trainer-)Erfahrung, denn solche Situationen treten in den unteren Klassen wohl des öfteren auf.

Im Laufe der Hinrunde normalisierte sich der Personalzustand. Wir konnten Harald Börtzler wieder für uns gewinnen, Michael Weigel spielte sich durch konstante Leistungen in die Erste und auch Nachwuchstalent Jörg Weber nutzte seine Chance. Mein sportliches Ziel, daß wir in unseren Leistungen konstant sind, unser Defensivverhalten verbessern und vorne mitspielen, konnten wir realisieren.
Die Rückrunde verlief dann nicht mehr ganz so erfolgreich, dennoch sprang der gute 2. Platz heraus. Im Nachhinein blicke ich gerne auf die Relegationsspiele gegen Brücken (1:1, 0:3) zurück. Es war für mich und ich glaube auch für die Spieler eine wichtige, wenn auch enttäuschende Erfahrung. Wir erlebten live, wie sich ein Team durch übertriebene Nervosität (Angst?) sein Spiel selbst zerstören kann. Rückwirkend betrachtet war der 2. Tabellenplatz ein großer Erfolg. Zudem wurde unsere Zweite mal wieder Meister, was ich zu Beginn der Saison nie erwartet hätte.
Dann folgte die...
Saison 98/99 Da wir in der Vorsaison mit einem sehr dünn besetzten Kader auskommen mußten, wollte ich unser Team unbedingt verstärken. Mit meinen Wunsch-Neuzugängen Timo Rohe (aus Konken) und Manuel Stöbener (vom 5V Haschbach) kamen zwei Spieler zu uns, die charakterlich und sportlich gut zu uns paßten. Daß diese Verstärkungen zwingend nötig waren, zeigte sich spätestens, als wir mit Jens Berner, Michael Weigel und Ralf Dinschuh drei Dauerverletzte bekamen. So gelang es unstrotzdem, über einen Großteil der abgelaufenen Saison mit 13/14 nahezu gleichwertigen Akteuren zu spielen. Meiner Meinung nach ein großes Plus, das in kaum einem anderen Verein auszumachen war.
Legte ich in meiner 1. Saison den größten Wert auf das Abwehrverhalten der ganzen Mannschaft, so setzten wir zu Beginn dieser Runde andere Schwerpunkte. Die spielerische Linie, das kombinationsreiche Offensivspiel, welches uns im Verlauf der Rückrunde 97/98 des öfteren abhanden gekommen war, galt es wiederzufinden.
In der Vorbereitungsphase gelang uns dies sehr gut (Gewinn des Remigiusbergpokals). Unverständlicherweise verloren wir diesen Faden in der Hinrunde wieder, so daß diese nicht zufriedenstellend verlief aufgrund unserer mäßigen Leistungen verschwendete zur Winterpause wohl niemand mehr einen Gedanken an die Meisterschaft (10 Punkte Rückstand auf die bis dahin souveränen Reichenbacher, bei allerdings 2 Spielen im Rückstand). Im personellen Bereich tat sich in dieser Runde einiges: Matthias Decklar fehlte verletzungsbedingt die komplette Vorrunde, glücklicherweise war Stefan Forsch wieder fit (fehlte fast die ganze Saison 97/98) und in der Winterpause kamen Andreas Wittkowski
und Kai Weisenstein aus Bedesbach dazu. Die Lücke, die Harald Börtzler nach seinem Aufhören hinterließ (bis dahin war er als Libero gesetzt), konnte Christian Creutz recht bald gut schließen, hierdurch fehlte uns aber wieder ein guter Manndecker. Auf dieser Position schaffte Manuel Stöbener dann spätestens in der Rückrunde den großen Durchbruch, als er zum Leistungsträger aufstieg. Welch ein Glück auch, daß unser eingespieltes Sturmduo auch diese Saison unverletzt blieb.

So kam es dann, daß wir nach 3 Wochen Wintervorbereitung und unserem Ski-Trainingslager in Jungholz eine super Rück­runde spielten. Nach dem überzeugenden 5:0 in Oberalben war auch der Auswärtsfluch, der uns in der Hinrunde verfolgte, verbannt. Von da an spielten und kämpften wir einen guten Fußball und dementsprechend machten wir auch in der Tabelle Boden gut. Auch die Unentschieden warfen uns nicht aus der Bahn und nach den beiden Nullnummern zu Hause (trotzdem gute Leistung gegen Glanbrücken) drehte zeitig zum Saisonende die Torfabrik des VfL auf. Zu einem psychologisch günstigen Zeitpunkt setzte uns endlich auch die Rheinpfalz an die Tabellenspitze und spätestens jetzt war jeder Spieler (incl. Trainer) von der Meisterschaft überzeugt. Im letzten Saisondrittel konnte kein Titelkonkurrent mehr richtig mithalten, so daß zum Schluß mit 9 Punkten der Vorsprung recht deutlich ausfiel. Obwohl die letzten Spiele alles Endspiele waren, konnten wir die Anspannung und das leichte Kribbeln diesmal in positive otivation und Leistung ummünzen. Ich denke schon, daß wir als gesamte Mannschaft aus den Erfahrungen der Vorsaison (Relegation) gelernt haben.
Ausblick: Wir freuen uns alle auf die sportliche Herausforderung A­Klasse, auf neudeutsch ,,Bezirksklasse Westpfalz Mitte". Bei aller Euphorie um die errungene Meisterschaft und den Aufstieg müssen wir realistisch bleiben: Wenn wir auch ganz sicher eine gute Truppe haben, das Ziel kann nur Klassenerhalt lauten, mittelfristig eventuell Etablieren in dieser Klasse. Um dieses sportliche Ziel erreichen zu können, muß unsere Gemeinschaft weiterhin so reibungslos funktionieren wie bisher. Der Umgang zwischen Spieler, Trainer und dem Verein alssolchem (Vorstandschaft, Zuschauer) muß stimmen, nur dann ist eine Basis für sportlichen Erfolg da.
Bei dem Charakter unserer einzelnen Spieler, der guten Zusammenarbeit mit der Vorstandschaft (keine Reibungspunkte) und unserem guten Umfeld blicke ich (vorsichtig) optimistisch in die Zukunft. Ich hoffe, daß außer Nils Schröer, dem ich bei seinem neuen Verein Theisbergstegen alles Gute wünsche, kein Spieler den Verein verläßt. Zu unserem Team stoßen Torsten Suffel (19, bisher SV Haschbach) und Eric Feilhaber (29, SV Rammelsbach). Von beiden bin ich überzeugt, daß sie gut zu uns passen und uns auch sportlich weiterhelfen. Jens Benner wird nach langer Verletzungspause (Kreuzbandriß) wieder zum Kader gehören, Michael Weigel
und Ralf Dinschuh wünsche ich eine schnelle Genesung. Für Leute aus unserer Zweiten (z.B. Christian Dusch) ist die Tür zur Ersten ebenfalls geöffnet. So werden wir mit einem Kader von 16/17 Spielern in die neue Runde starten. Lassen wir uns überraschen, wo unser Weg hingeht.

Euer Trainer